Impuls zum 26. Juli 2026
Von Susanne Warmuth (Aschaffenburg) – Geistliche Beirätin im DV Würzburg
Ganz analoge Schätze von heute
Auch in diesem Jahr gehörten die Panini-Sammelbilder zur Fußball-Weltmeisterschaft. Trotz Leben im digitalen Zeitalter hat das analoge Sammeln für Kinder (und auch Erwachsene) nichts von seinem Reiz verloren. In diesem Jahr, wo es 980 verschiedene Bilder zu sammeln gab, war der Hype besonders groß und oft waren die Päckchen am Kiosk ausverkauft. Woher kommt diese Faszination? Wissenschaftler sagen, dass das Sammeln ein Ur-Instinkt des Menschen sei und deshalb auch im Handy-Zeitalter lebendig bleibt. Das Tauschen der Bilder ist für Kinder darüber hinaus eine einfache Art, miteinander in Interaktion zu treten. Wem noch wichtige Karten fehlen, der investiert oft viel bei Tauschgeschäften, manchmal unvernünftig viel. Doch hinter dem Panini-Phänomen steckt noch mehr als bloße Sammellust. Leidenschaft gehört dazu und die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis, die Sehnsucht nach dem vollständigen Werk, was aber oft nicht erreicht werden kann.
Der Schatz im Acker – Evangelium Mt 13, 44 – 46
In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern. 44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. 45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. 46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.
Woran das Herz hängt
Was ist das Himmelreich? Wie soll man es erklären? Es gibt viele Antworten darauf. Es ist das Reich Gottes, das uns verheißen ist. Das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, der guten Beziehungen der Menschen untereinander und zu Gott. Das, was wir alle ersehnen, und was wir in dieser Welt nie ganz erreichen werden.
Jesus hat seine Zuhörer nicht mit theologischen Erklärungen aufgehalten. Er beschreibt das Himmelreich in Gleichnissen mit Alltagsbezug. Mit dem Gleichnis heute wird ausgedrückt: das, woran unser Herz hängt, wonach wir uns sehnen, das kann so stark sein, dass wir viel dafür investieren. Der erste Mann im Evangelium kauft einen ganzen Acker, damit er den erhofften Schatz sein Eigen nennen kann. Der Kaufmann, der eine besonders schöne Perle gesehen hat, verkauft alles, was er hat – wie unvernünftig –, um diese Perle zu besitzen. Beide scheinen mit ihrem Kauf sehr zufrieden zu sein, der Einsatz hat sich gelohnt.
Die Sehnsucht nach etwas Großem wecken
Antoine de Saint-Exupery schreibt:
Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen,
um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.
Menschen, die etwas Großes als Ziel vor Augen haben, die können große Anstrengungen
auf sich nehmen, investieren viel, entwickeln eine ungeheure Durchhaltekraft. Denn sie wissen, wofür sie es tun.
Der Friede als größter Schatz
Kriege und Konflikte unserer Tage bestimmen die Talk-Shows mit Teilnehmenden aus Politik, Presse und Wissenschaft. Was muss getan werden, damit Kriege gestoppt werden und der Gewalt ein Ende bereitet wird? Die Lösungen, die vorgeschlagen werden, bekommen oft das Etikett alternativlos: das Investieren in die Aufrüstung, die Verbesserung der Waffensysteme, strategische Vorbereitungen für mögliche Kriege und ähnliche Szenarien.
Wird eine andere Dimension nicht total vergessen? Es wird nicht davon gesprochen, dass es notwendig ist, Sehnsucht nach Frieden in den Herzen der Menschen zu wecken. Wann wird von Friedensverhandlungen mit positivem Ausgang berichtet? Von der Versöhnungsarbeit zwischen Frankreich und Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, von Erfolgen der Diplomatie in den letzten Jahrzehnten. Von den gigantischen Summen, die bei einem nicht-geführten Krieg eingespart werden, und für den Kampf gegen Hunger und Krankheiten zur Verfügung stehen würden. Man kann schon die Gegenstimmen dazu hören: das ist alles eine schöne Utopie und nur etwas für verrückte Träumer von gestern.
Papst Leo XIV schreibt in seiner neuen Enzyklika, dass sich Christinnen und Christen für die Konstruktion eines Friedens einsetzen müssen, der „weder eine naive Hoffnung noch die bloße Abwesenheit von Krieg“ ist, sondern „das stets mögliche Ergebnis von Gerechtigkeit und Nächstenliebe“.
Der Friede als (noch nicht gehobener) Schatz im Acker und als wertvolle Perle – nichs für weltfremde Träumer, sondern für Menschen, die eine große Sehnsucht im Herzen tragen. Diese Sehnsucht kann enorme Kräfte freisetzen für so vieles, was dem Frieden dient.